Im dritten Jahr in Folge gewann der DAX solide an Wert, diesmal +23,0 % im Jahr 2025, und lag damit wieder deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von rund +9 % p.a. seit dem Start. Anlagen in deutsche Standardaktien ließen damit festverzinsliche Papiere wieder weit hinter sich. Zum Jahresende bewegte sich unser Leitindex nicht ganz am Niveau des Allzeithochs aus dem zweiten Halbjahr von 24.771 Punkten.
Trotz der allgemeinen Flaute in der heimischen Wirtschaft, dem internationalen Kriegsgeschehen und Zollchaos waren die Werttreiber bei uns KI, sinkende Zinsen und deutsche Staatsausgaben in Infrastrukturprogramme. Viele DAX-Unternehmen erzielen ihre Umsätze ohnehin größtenteils im Ausland. So profitiert Rheinmetall weiterhin vom Rüstungsboom in Europa mit +154 % in 2025 und ist erneut unter den Jahressiegern. Siemens Energy erzielte +139 % und die Commerzbank +129 %. 27 der 40 DAX-Aktien schlossen auf Jahressicht positiv. Zu den Verlierern zählen nach hohen Rohstoffpreisen der Duft- und Aromenhersteller Symrise mit –33 %, Adidas mit –28% sowie Beiersdorf mit –24%. Letztere litten unter den Zöllen und schwächerer Nachfrage.
Auch die kleineren und mittleren deutschen Werte konnten nach leichteren Abschlägen in 2024 nun wieder gewinnen. Der MDAX legte um 19 % und der SDAX um 24 % zu. Der TecDAX gewann immerhin noch 5 %. Die Outperformer sind hier Thyssenkrupp mit +248 %, Friedrich Vorwerk mit +204 %, Renk mit +192 % und erneut der Chemieproduktehersteller Alzchem mit +172 %.
In Europa stieg der Euro Stoxx 50 um +18 %. Überdurchschnittliche Renditen waren in Österreich mit dem ATX mit +45 %, in Spanien mit dem Ibex 35 mit +49 % und in Griechenland mit dem Athex Composite mit +50 % zu erzielen.
In den USA gewann der Dow Jones erneut +13 % und rangiert damit jedoch etwas hinter dem breiteren S&P 500 (+16 %) und dem Nasdaq 100 (+20 %). Bei den US-Werten liegen diesmal die Spezialisten für Datenspeicherlösungen weit vorne. Dies sind Western Digital (+284 %), Micron Technology (+239 %) sowie Seagate Technology (+219 %). Von den großen Tech-Werten stiegen deutlicher der KI IT-Hardware-Hersteller Nvidia weiter um +39 %, Intel um +84 %, AMD +77 % und Alphabet (zuvor Google) um +65 %.
DAX Bewertungsniveau bleibt trotz Indexanstieg nahezu konstant
Das DAX-KGV ist seit Anfang 2025 lediglich von 18,2 auf nun 18,9 angestiegen. Damit konnten die Unternehmensgewinne fast mit den Kurszuwächsen mithalten. Das Bewertungsniveau liegt aktuell in etwa auf dem langfristigen Mittel von 30 Jahren. Die Aktien sind damit zwar noch nicht überteuert, aber derzeit auch keine Schnäppchen mehr zu einem normal fairen Bewertungsniveau von etwa 15. Die erwarteten Dividendenrenditen im DAX sind im Schnitt von 3,9 % nun auf 3,1 % gefallen. Überdurchschnittliche Ausschüttungen bieten weiterhin die Automobilhersteller, wenngleich deren Geschäft herausfordernd bleibt.
Im MDAX verharrt das KGV auf Jahressicht mit 18,3 ebenfalls fast auf konstantem Niveau (VJ: 18,1). Der TecDAX hat sich, auch im Hinblick auf die schwächere Indexperformance, in der Bewertung mit einem KGV von 22,9 wieder gemäßigt (VJ: 42).
Das Euro Stoxx 50-KGV liegt aktuell bei 18,0 (VJ: 15,4). Die US-Indizes weisen im Jahresvergleich nun wieder schwächere Bewertungsniveaus aus, nachdem sie zuvor zum Teil deutlicher gestiegen waren. Traditionell liegen diese aufgrund von dominanten Weltmarktpositionen vieler US-Unternehmen im Vergleich höher. Das Dow Jones-KGV fiel auf 23,4 von 25,2 im Vorjahr. Der S&P 500 liegt mit 28,9 nur leicht unter 29,1 im Vorjahr und das hohe Nasdaq 100-KGV von 46 hat sich auf 34,6 spürbar abgesenkt. 2025 zeigte sich insbesondere in den Tech-Indizes TecDax und Nasdaq, dass den Unternehmensgewinnen davongelaufene Bewertungen bereits im Folgejahr im Schnitt vom Markt wieder zurückgefahren werden. Dies bedeutet noch nicht, dass die Indizes gleich ins Minus rutschen müssen, solange sich die Gewinne weiterhin positiv entwickeln.
Rohstoffpreise zum Teil deutlich gestiegen
Viele Rohstoffaktien befinden sich derzeit, einhergehend mit deutlich höheren Rohstoffpreisen, in einer Rallye. Die Diskussion um kritische Rohstoffe hat sich dabei verschärft. Gold gilt wie bisher, in angespannten geopolitischen Lagen, als sicherer Hafen. Zinssenkungen und strukturelle Käufe von Notenbanken gegen den schwächelnden US-Dollar waren zudem förderlich, so dass der Goldpreis 2025 in USD weiter um +65 % auf neue Höhen deutlich über der 4.000 USD-Marke je Feinunze anstieg (in Euro +45 %). Silber hat sich nach langer Zeit aus dem Schatten von Gold gelöst und legte um +147 % in USD zu (in Euro +118 %). Die Feinunze wird derzeit mit über 70 USD gehandelt. Wesentliche Gründe sind der Bedarf in der E-Mobilität und in KI-Rechenzentren.
Während die Preise für Energie-Rohstoffe wie Rohöl, Gas oder Kohle im Jahr 2025 rückläufig waren, konnte sich Kupfer als wichtiges Weltkonjunkturbarometer behaupten und stieg im Preis um +42 %. In weiteren Rohstoffbereichen lagen markantere Preissteigerungen bei Platin (+125 %), Kobalt (+ 120 %), Zinn (+39 %), Palladium (+84 %), Rhodium (+101 %) oder Neodym (+51 %). Der Preis für das Batteriemetall Lithiumcarbonat hat sich nach dem Tief im Juni zum Jahresende hin verdoppelt. In der Jahresbilanz stehen +58 %. Der dafür wichtige chinesische Markt für Elektrofahrzeuge entwickelte sich in der Nachfrage wieder freundlicher.
Allmähliche Erholung der deutschen Wirtschaft prognostiziert
Für die deutsche Industrie war 2025 geprägt von hohen Kosten und teilweise schwacher Nachfrage, geopolitischen Risiken und Handelskonflikten incl. Zollunsicherheiten. Die Deutsche Bundesbank geht für 2025 von einem Wachstum von lediglich +0,1 % des realen Bruttoinlandsprodukts aus. Für 2026 liegt die Prognose aktuell bei +0,9 %. Man geht von einem anziehenden Wirtschaftswachstum aus, das von expansiver staatlicher Fiskalpolitik in Infrastruktur oder Verteidigung und wieder steigenden Exporten gestützt werden soll. Hinsichtlich der Inflation rechnet man für 2025 mit Preissteigerungen von +2,3 % und im Ausblick für 2026 mit +2,2 %.
Weitere Zinssenkungen vorgenommen
Die US-Notenbank FED hat in der zweiten Jahreshälfte 2025 dreimal die Zinsen um je 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne zwischen 3,50 % und 3,75 % gesenkt. Damit werden der US-Arbeitsmarkt und die Kreditaufnahme von Privatpersonen unterstützt. Durch kleine Schritte nach unten soll das einhergehende Inflationsrisiko gering gehalten werden. Aktien werden durch niedrigere Zinsen für Anleger attraktiver, weil sich festverzinsliche Alternativen weniger rentieren.
Auch die Europäische Zentralbank senkte die Leitzinsen in der ersten Jahreshälfte 2025 insgesamt viermal. Der Zinssatz der für Sparer wichtigen Einlagefazilität sank von 3,0 % auf 2,0 %. Seit Juni blieb dieses Zinsniveau dann stabil. Auch in der Eurozone stützen die niedrigen Zinsen die Wirtschaft, da sich Kredite für Unternehmen und Private verbilligen. Sollte die Inflation in der Eurozone 2026 nicht auf dem aktuellen Niveau von 2,1 % gehalten werden können, dürfte die Zinspause noch länger anhalten.
Ausblick auf 2026
Auch 2026 bleiben die bekannten internationalen Krisen erhalten. Dennoch dürfte sich das Börsengeschehen in einem freundlichen Marktumfeld bewegen. KI-Investitionen und globale Wachstumstendenzen werden wahrscheinlich den Gesamtmarkt stützen. In den USA könnten Trumps geplante Steuersenkungen für positive Impulse sorgen. Durch die Handelsabkommen sollte auch mehr Ruhe in die US-Zollpolitik kommen. Für die deutsche Wirtschaft geht man von einem leichteren Wachstum aus. Zinserhöhungen sind in Europa momentan zumindest nicht absehbar. Die Konzentration auf boomende Branchen und prinzipiell eine gute Streuung sollten auch 2026 erfolgsversprechend sein.
WIR WÜNSCHEN BESTE GESUNDHEIT UND EINE GLÜCKLICHE HAND AN DER BÖRSE IM NEUEN JAHR 2026!
Herzlichst,
Ihr Karl Miller
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